steckenpferd
Dienstag, 20. Oktober 2009

Personalabbau für Pferdekauf

(dpa) Besonders zimperlich war Paul Schockemöhle noch nie, doch jetzt hat der ehemalige Weltklassereiter eine besonders provokante Forderung aufgestellt. Schockemöhle verlangte von der FN den Abbau von Personal, um mit dem eingesparten Geld Beteiligungen an Toppferden zu kaufen.

Der Pferdehändler attackierte die FN am Dienstag in Hannover wegen ihres "schlechten Managements" im Spitzensport und kritisierte die zu hohe Zahl an Beschäftigten: "Da wurden in den letzten Jahren Leute eingestellt, ich weiß nicht wofür." Der deutsche Pferdesport habe zuletzt seine Spitzenstellung nicht eingebüßt, weil es an talentierten Reitern mangle, sondern weil so viele Klasse-Pferde ins Ausland verkauft worden seien, sagte der Unternehmer aus Mühlen.

Stellenabbau ist nach Schockemöhles Ansicht "nicht ungewöhnlich, das müssen andere Unternehmen auch". Durch die Reduzierung der Angestelltenzahl gebe "es dann Mittel, um Pferde im Land zu halten". Die These des dreimaligen Europameisters ist auch deshalb brisant, weil er selbst als Pferdehändler tätig ist und seinen Umsatz in diesem Bereich zu 95 Prozent im Ausland macht.

"Interessanter Ansatz", entgegnete FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach mit süffisantem Ton und konterte: "Selbst eine Massenentlassung bei der FN würde nicht für ein halbes Olympiapferd bei Herrn Schockemöhle reichen. Im übrigen sind die FN und ihre Mitarbeiter nicht dazu da, die Einkommen und Gewinne von Pferdehändlern zu fördern."

In der Verbandszentrale in Warendorf sind bei der FN, dem Deutschen Olympiade Komitee für Reiterei (DOKR) und dem FN-Verlag derzeit 160 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit beschäftigt. Der Jahresumsatz beträgt rund 19 Millionen Euro. Schon jetzt besitzt das DOKR Anteile an 27 Pferden.

In Deutschland werden die beste Pferde verkauft. "Das geht seit Jahren so", erklärte der 64-Jährige: "Die Züchter wollen Geld verdienen. Das ist verständlich, aber schwächt den Sport." Allein in den vergangenen Wochen sind nach Schockemöhles Berechnungen rund 700 Fohlen bei Auktionen in Norddeutschland verkauft worden: "Von den 300 besseren Fohlen sind 80 Prozent ins Ausland verkauft worden." Schockemöhle selbst ist allerdings einer der größten Pferdehändler der Welt und verdient den größten Teil im Ausland: "Und dazu stehe ich."

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